RatgeberDas Arbeitszeugnis: Anspruch, Noten und richtig deuten

Zwischenzeugnis: Wann es sinnvoll ist und wie du es anforderst

Aktualisiert am 25.06.2026

Die meisten denken beim Arbeitszeugnis ans Ende eines Jobs. Dabei gibt es ein Dokument, das dir schon mitten im laufenden Arbeitsverhältnis zusteht – das Zwischenzeugnis. Es kann bei einem späteren Wechsel Gold wert sein.

Der Unterschied zum Endzeugnis: Du musst nicht kündigen, brauchst aber einen triftigen Grund.

💡 Merke
Anders als beim Endzeugnis gibt es für das Zwischenzeugnis keinen ausdrücklich gesetzlich verbrieften Anspruch. Es ist aber allgemein anerkannt – und bei einem triftigen Grund kannst du es in der Regel verlangen.

Was ein triftiger Grund ist

Ein Zwischenzeugnis bekommst du nicht einfach so, sondern wenn ein nachvollziehbarer Anlass vorliegt. Als triftige Gründe gelten in der Praxis unter anderem:

Ein Wechsel des direkten Vorgesetzten. Eine Versetzung oder ein Wechsel des Aufgabengebiets. Eine Umstrukturierung, Fusion oder Namensänderung des Unternehmens. Deine eigene Stellensuche. Die Vorlage bei einer Behörde oder für einen Kreditantrag. Oder eine bevorstehende längere Abwesenheit, etwa Elternzeit.

Profi-Tipp
Der Wechsel des Vorgesetzten ist einer der besten Anlässe. Wer dich beurteilt hat, geht – also lass dir jetzt schriftlich geben, wie deine Arbeit bewertet wurde. Ein neuer Chef kann das später nicht mehr für die zurückliegende Zeit tun.

Warum sich ein Zwischenzeugnis lohnt

Ein Zwischenzeugnis sichert deine Leistungsbeurteilung zu einem Zeitpunkt, an dem alles frisch und das Verhältnis meist noch gut ist. Das hat handfeste Vorteile.

Es dient als Beleg, falls dein späteres Endzeugnis einmal schwächer ausfallen sollte – etwa nach einem Konflikt. Und es ist sofort einsatzbereit, wenn sich überraschend eine Chance auftut und du dich kurzfristig bewerben willst.

⚠️ Typischer Fehler
Erst nach einem Konflikt oder kurz vor der Kündigung ans Zeugnis denken. Dann ist die Stimmung oft schon getrübt. Wer rechtzeitig in guten Zeiten ein Zwischenzeugnis sichert, hat einen wertvollen Beleg in der Hand.

So forderst du es an

Tritt sachlich an deinen Vorgesetzten oder die Personalabteilung heran und nenne deinen Grund. Eine schriftliche Bitte ist sinnvoll – höflich, aber klar.

Inhaltlich entspricht das Zwischenzeugnis dem qualifizierten Zeugnis: Es bewertet Leistung und Verhalten. Der wichtigste formale Unterschied: Es ist im Präsens formuliert, weil das Arbeitsverhältnis ja weiterläuft („Herr X erledigt seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit").

Auch hier gilt die Notensprache

Ein Zwischenzeugnis wird nach denselben Regeln formuliert wie ein Endzeugnis – mit derselben versteckten Notensprache. Prüf es also genauso sorgfältig.

Wie du die Bewertung liest, steht im Beitrag zu Noten und Geheimcodes. Und falls es schlechter ausfällt als verdient, hilft der Beitrag zum schlechten Zeugnis weiter.

Ein Wort zur Konsequenz

Ein Zwischenzeugnis anzufordern, signalisiert dem Arbeitgeber unter Umständen, dass du über einen Wechsel nachdenkst – besonders, wenn als Grund nichts Offensichtliches wie ein Vorgesetztenwechsel vorliegt. Das ist meist kein Problem, aber gut zu wissen.

Mit einem neutralen Anlass (Vorgesetztenwechsel, Umstrukturierung) umgehst du diese Frage elegant. Wie sich das Zwischenzeugnis grundsätzlich vom Endzeugnis unterscheidet, steht im Beitrag zu Anspruch, Fristen und Form.

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Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Wir übernehmen keine Haftung und keine Gewähr für Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit. Im Zweifel wende dich an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder an deine Gewerkschaft. Erstellt nach bestem Wissen und Gewissen (Rechtsstand 2026).

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